Der Tod des Philosophen

Beginnen möchte ich meine Überlegungen zum Tode mit einem Gedicht Hermann Hesses:

 

 

Leb wohl, Frau Welt

 

Es liegt die Welt in Scherben,

Einst liebten wir sie sehr,

Nun hat für uns das Sterben

Nicht viele Schrecken mehr.

 

Man soll die Welt nicht schmähen,

Sie ist so bunt und wild,

Uralte Zauber wehen

Noch immer um ihr Bild.

 

Wir wollen dankbar scheiden

Aus ihrem großen Spiel;

Sie gab uns Lust und Leiden,

Sie gab uns Liebe viel.

 

Leb wohl, Frau Welt, und schmücke

Dich wieder jung und glatt,

Wir sind von deinem Glücke

Und deinem Jammer satt.

– Hermann Hesse –

Darin spiegelt sich der Wunsch des Autors, von Begierden frei zu werden, um – quasi in einem Nirvana – die Möglichkeit zu bekommen, Philosophie zu treiben, ungestört zu reflektieren. –

Diesen Gedanken lässt schon Platon seinen Sokrates im Dialog »Phaidon« aussprechen:

»Nämlich diejenige, die sich auf rechte Art mit der
Philosophie befassen, mögen wohl, ohne dass es freilich die andern merken, nach
gar nichts anderm streben als nur zu sterben und tot zu sein.«

Schon bevor ich mit diesen Quellen in Berührung kam, hatte meine Wenigkeit einen analogen Gedanken, als Aphorismus:

152. Der Zwang zum Leben ist ein furchtbarer und erbarmungsloser. Wäre es nicht schöner, tot zu sein, um in Ruhe über all das allzu Lebendige zu reflektieren?                           05.05.08

Nun, der »Tod des Philosophen« ist allemal als eine Metapher aufzufassen, eine, die Platon in die Nähe des Buddhismus zu rücken vermag: Auch dort geht es um Überwindung eines Lebens voller Begierde, um ein Loslassen von den körperlichen Gelüsten, um durch meditative Versenkung Freiheit – und das eben insbesondere im Denken – zu erreichen. –

So ist denn Hesse, Platon, dem Buddhismus und meiner Wenigkeit eines gemein: Die Abkehr von der Welt der körperlichen Bedürfnisse, um der Seele oder dem Geist Freiheit zu bescheren, Flügel zu verleihen, eben durch den »Tod«.

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