Ein neuer Essay

Skepsis und Dialektik
 

 

 

Einige Stimmen – unter anderem die eines buddhistischen Häretikers – mahnten mich zur Einfachheit und Verständlichkeit der Rede: »Wenn man Dinge nicht einfach sagen kann, sollte man sie gar nicht sagen.« –

Und: »Einige Leute versuchen sich dadurch intelligent zu fühlen, dass sie Fremdwörter und Abstraktionen benutzen.«

Dazu muss bemerkt werden, dass – einerseits – der Wert der Einfachheit in der Verständlichkeit liegt, aber – andererseits – der Wert der Abstraktion in einer präzisen Vereinfachung zusehen ist, damit allerdings allemal wiederum einer Verständlichkeit zuarbeitet.

Dem Ethos einer einfachen, verständlichen Sprache und Kommunikation steht jedoch die Komplexität der Welt gegenüber: Ist eine der Sache gerechte und angemessene Beschreibung in einfachen Worten überhaupt möglich und erstrebenswert? – Hier ist Skepsis angebracht: Skepsis gegenüber einer an Simplifizierung krankenden Einfachheit der Rede. –

Andererseits – um den dialektischen Anspruch dieses Essays einzulösen – ist ebenso Skepsis angebracht an einer verkomplizierenden Ausdrucksweise, welche – besonders in Alltagskommunikationen – eben manchmal nur dazu dient, um den Sprecher den gewissen intellektuellen oder wissenschaftlichen Touch zu verleihen, was eben bei den Hörern nicht immer so gut ankommt oder sie gegebenenfalls auch überfordert. –

Es bleibt das Ethos der Verständlichkeit von Abstraktionen und Fachbegriffen, welches jedoch eventuell nur einem kleinen Kreis von Fachleuten und Experten zugänglich ist, der diese dann auch zu verstehen in der Lage ist.

 

»Wofür Du hier einen Orden bekommst, bekommst Du dort einen in die Schnauze.«

(Prof. Dr. Helmut Richter)

 

Das ist natürlich eine Aporie, ein unlösbares Problem. –

Eine mögliche Lösung dieser Aporie mag in zwei kommunikativen Verhaltensweisen liegen: Das – zur kommunikativen Kompetenz gehörige – Codeswitching einerseits, ein »recipient design« andererseits. Will heißen: Den je eigenen Sprachstil (Code) je nach sozialer Rolle und damit Zugehörigkeit zu wechseln, und, seine Rede auf den Hörer zuzuschneiden (recipient design).                                                                                    CF, Blunk, 24./29. März 2013

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