Italien 1988 – ein Reisebericht

Es war im Jahre 1988, als ich, nach einigen anderen Geschichten in Berlin, eine Surf-Reise nach Italien antrat. Ich fuhr einen schwarzen Honda Civic S, mit 71 PS und der Spitzengeschwindigkeit 160 km/h. Ich weiß, heute ist das nichts mehr. oben auf dem Dach hatte ich ein pinkfarbenes Surfbrett geladen. Ich fuhr zunächst nach Corvara in Südtirol, Ladinien, einem interessanten Landstrich, da er einst zu Deutschland gehörte und viele Menschen dort noch heute gut Deutsch sprechen. Ich war dort schon als Soldat auf einer Skireise 1987 und hatte eine mittelschwere Liaison mit der Tochter des Hauses, einer kleinen Pension am Fuße eines Berges. Nun, nach der langen Autofahrt dorthin übernachtete ich an einem Gebirgsfluss in meinem Auto, fror etwas und wusch mich am nächsten Morgen in dem Gebirgsbach. Dann kaufte ich der Mutter meiner Liebsten einen Blumenstrauß, nahm die extra aufgenommene Kassette (Al Jarreau war damals gerade in Mode) für meine Liebste mit und machte mich auf den Weg für den Überraschungsbesuch. Die Wiedersehensfreude war groß, vielleicht auch nur mittelgroß, da ich ja zu der Zeit so etwas Ähnliches wie homosexuell war und es mit den schönen Gesprächen, wie ein Jahr davor, nicht mehr so recht klappen wollte. Ich erklomm die Berge mit Anstrengung und wanderte sie erleichtert wieder hinab, sie, die ich einst als Skiläufer komfortabel mit dem Lift hinaufgefahren war, schaute auf die grünen Hänge und gedachte der Zeiten, in denen ich sie als flotter Skiläufer (und ich war gut: Parallelschwung im Tiefschnee usw.) hinuntergesaust war. Drei Tage blieb ich dort. Mit dem schwarzen Auto und dem pinkfarbenen Surfbrett wollte ich – wahrscheinlich – auch ein wenig angeben. Dann führte mich mein Weg weiter an den Gardasee. Die Alpen durch das Erklimmen der Pässe mit dem Auto und den ausgedehnte Talabfahrten verlassend, verließ ich auch die amourösen Zwistigkeiten, die eine intellektuelle Auseinandersetzung mit dem »Geschlechterkampf« so bringen. Der Gardasee wartete auf mich, und ich fühlte mich frei und – aus heutiger Sicht – im nirvana, »cool«, fuhr befreit die Pässe hinunter, eine Sonnenbrille im Gesicht, den Ellenbogen aus dem Fenster gelehnt, schöne Musik hörend. Mit einem kleinen Zelt kampierte ich dann dort, die Winde Ora und Vento mit dem Surfbrett genießend. Der Rest ist eine ZEN – Geschichte des Surfens. –

Als ich zurückkam nach Berlin, war ich so beeindruckt von meinen Erlebnissen, daß ich kaum sprechen konnte. Mir fehlten buchstäblich die Worte. –

Christian Ferch, 22. Juli 2015