Meinungsfreiheit und der Zwang zur Hyperindividualität

  1. März 2017 Neue Debatte Hinterlasse einen Kommentar

Wie steht es um die Meinungsbildung und die freie Meinungsäußerung im Zeitalter des Narzissmus und dem Zwang zur Hyperindividualität? Ein Kommentar von Dr. Christian Ferch.

Wenn man beginnt, über Werte nachzudenken, kommt man um das deutsche Grundgesetz kaum herum. Hier ist neben der Freiheit der Kunst und der Wissenschaft und der Freiheit der Berufswahl auch die Meinungsfreiheit zu finden:

Im Artikel 5 ist schriftlich festgehalten und verbrieft, es sei legitim, seine Meinung in Wort und Schrift frei zu äußern.

Voraussetzung dafür erscheint mir, dass den Mitgliedern einer Demokratie Zeit und Muße dafür zur Verfügung steht, sich eine eigene Meinung erst einmal zu bilden, um sie dann – in einem weiteren Schritt – frei zu äußern.

Doch wie soll das in der heutigen Zeit noch möglich sein, einer Zeit, in der ein Zeitgeist regiert, welchen Stichworte wie „Zeitalter des Narzissmus“, „Optimierungsgesellschaft“ und der Zwang zur Hyperindividualität prägen?

Ja, es scheint sogar nahezuliegen, dem politischen System mitsamt den mit ihm verquickten Medien eine ebenso zwanghafte wie erzwungene Systemkonformität zu unterstellen, welche nicht nur den Politikern und Oberen, sondern auch der arbeitenden Klasse der Angestellten obliegt. Selbstständiges und kritisches Denken unerwünscht.

Das hat dann allerdings wenig mit freier Meinungsbildung und Meinungsäußerung zu tun.

Und schon ist einer der (deutschen) Werte, von denen immer mal wieder die Rede ist, ausgehebelt, und wir befinden uns mitten in einer dem Kapitalismus und der Ausbeutung zuspielenden Kulturindustrie.

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