Unzeitgemäße Betrachtungen: Die kritische Theorie heute

In einer Zeit, in der es von Schubladendenken sowie vorschnellen Denunziationen nur so wimmelt, scheint es nicht unangebracht, einge Bemerkungen zu den Inhalten der kritischen Theorie zu verlieren. –

»Der Positivismus hat gesiegt.«, tönte es einst recht verzweifelt aus meinem Geiste. – Nun, ohne die unleugbaren Fortschritte auf dem Gebiet der Naturwissenschaft, angestoßen durch die methodologischen Inspirationen eines Herrn Descartes, sollte immerhin nicht unbemerkt bleiben, welchen Schaden in humanistischen Bereichen eine derartige Herangehensweise anzurichten imstande ist. Gerade das telos,  Berechenbarkeit und Vorhershebarkeit eben nicht nur in technischen, sondern auch in so menschliche Bereichen wie Psychologie, Soziologie und in Dingen wie Identität und Persönlichkeit anzustreben, scheint menschenverachtend, und der finsteren Vision eines George Orwell (1984) nahe zu kommen. –

In jenen Zeiten, in denen ein schriftlich festgehaltener Gedanke noch mehr Gewicht und Geltung besaß, als eine kraftvoll bis chauvinistisch zu nennende Pöbelei, schien es eine wohlfeile Angelegenheit, sich Zeit zum Denken und Schreiben zu nehmen. Heutiger Tage indes begegnet dem wissenschaftlich orientierten Denker eine schöne neue Welt, in der eine als kapitalistischer Utilitarismus einzustufende Philosophie ihren Weg sich bahnt.

Herrschaft, dies unter anderem ein zentrales Thema in der »Dialektik der Aufklärung« von Horkheimer und Adorno, besteht demnach in der Möglichkeit der Schläge, welche ein Einer einem Anderen austeilen darf. – Schlagzeilen – und hier sei auf die genaue, Konnotationen des Begriffs berücksichtigende Wortanalyse hingewiesen – fallen in genau diese hier zu beschreibende militaristische Kategorie: Der Ansturm der nicht nur rein äußerlich Gewalt ausübenden Pressemeldungen inflationiert konsumorientiert.

Mündigkeit – in all ihren philosophischen, emotionalen und kreativen Facetten – scheint unerwünscht, da eben unpraktikabel. Denken, welches einst Freiheit und Fortschritt erst ermöglichte, ist zu einem unnötigen Luxus entartet.

Armes reiches Deutschland.

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