»Dialektik der Aufklärung« – eine kleine Rezension

Hier eine kleine kritische Rezension des Kapitels über »Elemente des Antisemitismus«, welche ich vor kurzem verfasst habe:

»Vom charismatischen eigenen Stil sowie ihrer von Gesellschaft distanzierten dialektischen Denkweise betört, unterlaufen Horkheimer und Adorno dennoch einige Flüchtigkeiten: In der unkritischen Übernahme von Sigmund Freuds Assoziationspsychologie samt dessen unausgegorenem Vokabular zeigen sie im Kapitel über Antisemitismus das eine ums andere Mal denkerische und intellektuelle Schwäche. Diese ist nur zum Teil durch die Betroffenheit Adornos – er war selbst Jude – zu erklären und zu entschuldigen. Um dem eigenen Anspruch einer differenzierten, distanzierten Gesellschaftskritik genüge zu tun, hätte es an dieser Stelle mehr bedurft: Eben einer wissenschaftlich reflektierten Betrachtungsweise, welche von pamphlethaften Gedanken deutlich sich unterscheidet. –

So ist denn diesem Kapitel zweierlei zu bescheinigen und in ihm zu finden: Erstens eine ebenso nicht unwichtige wie orientierende Verortung der denkerischen Position Adornos wie eine Dokumentation seines teilweise unkritischen Umgangs mit der Psychoanalyse Sigmund Freuds. Hier scheint der einer Religiosität ähnelnder Umgang mit den bahnbrechenden Erkenntnissen der Psychoanalyse auf, ohne sich dessen – zumindest explizit – bewusst zu sein. –

Erbe dieser Vorgehensweise schien in den 1990’ger Jahren das verheißungsvolle Programm des religionswissenschaftlichen Instituts der Freien Universität Berlin: Konnte man immerhin getrost über das Psychoanalytische in den Religionen reflektieren, so bereitete es doch für die Dozenten scheinbar unüberwindliche Schwierigkeiten, das Religiöse in der Psychoanalyse zu be- und verhandeln. Derart wird eine als Faszinosum angedachte Dialektik zu einem unerfülltem Wusch, welcher – als Verdrängtes – eben doch nicht wiederkehrt.

Dr. Christian Ferch, 26./27.10.2016«