Hesse

Hier eines meiner Lieblingsgedichte von meinem Lieblingsautor:

Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

TFCWED – Treffen

Letzten Samstag hatten meine buddhistischen Freunde und meine Wenigkeit wieder einmal ein Treffen. Das war eine große Freude, da diese Treffen immer nur halbjährig stattfinden. Zu meiner großen Freude durfte ich ein altes Gedicht von mir vortragen, welches der eine buddhistische Freund sehr schätzt:

Erkenntnis eines Übermenschen

Die Hitze, ach, verdrehte ihr den Kopf, das Herz,

Ich wollte beides           grade biegen,

Doch langsam stellte ich dann fest (mit Schmerz) :

Es kann nicht alles sich zum Guten fügen.                 20.07.95/04.08.95

Immer noch ein »Renner«, und: Beidergeschlechtlich anwendbar… –

Nun, in einem Jahr und zwei Monaten habe wir Jubiläum: 10 Jahre TFCWED… –

Wer mehr darüber erfahren möchte, kann ja mal in meinem schon in die Jahre gekommenen blog nachlesen: www.tfcwed.blogspot.de

Nun, in den anregenden Diskussionen, wurde ich ermuntert, auch einmal der Skepsis gegenüber skeptisch zu sein. Da hielt ich inne, und musste bejahen: Allerdings – ohne gleich dogmatisch zu werden – sollte man sich manchen Traditionen, Symbolen oder Ritualen anschließen… –

Aber niemals ungeprüft am individuellen Verstand!

 

Neuestes

Hier das neueste von mir:

Meine zwei Bücher »Seltsame Gedichte / Aphorismen« und »Liebestanz. Tod in Berlin« habe ich bei books on demand veröffentlicht, und sie sind bei buecher.de erhältlich.

Hier ein Auszug meiner neuesten Aphorismen:

167.  Nimm nichts für selbstverständlich,  und sei dankbar für deine Gaben. Dies ein Weg zur Weisheit.                         18.06.13

 168.  Nicht jeder Irrtum ist auch gleich  ein Fehler.

        Erfahrungen zollen halt Tribut.                     22.06.13

Na, dann hoffe ich auf rege Bücherkäufe!!!

Ein alter Essay, der auf den neuen antwortet

 

Apologie der Aporetik

Man möchte meinen, die Erörterung von unlösbaren Problemen (Aporien) habe keinen Zweck. Dabei scheint als ein selbstverständliches Vor-Urteil mitzuschwingen, ein Zweck bestünde in einer Lösung des Problems. Mit dieser einseitigen Orientierung auf ein Ziel hin ist jedoch der Weg zu einer genauen Erörterung eines Problems versperrt. Sinn scheint nur dogmatisch sich zu erschließen, eine skeptische Auseinandersetzung scheint – ob dieser einseitigen Teleologie – ausgeschlossen. Dagegen ist zu setzen, dass vielleicht auch schon eine genaue Erörterung eines Problems, ohne eine feste Ziel- oder Lösungsvorstellung, das Abwägen des Für und Widers, für Kommunizierende und Diskutierende Sinn macht: Auch ohne eine Lösung ist dann ein Problem immerhin ausgiebig beschrieben, erörtert und benannt. Dies ist – als eine Form der Kunst – philosophisch als Aporetik benannt worden, eine Kunst, die einer Zielvorstellung entsagt, oder: das Ziel der Diskussion von einem (dogmatischen) Lösungsvorschlag in eine adäquate (skeptische) Erörterung eines Problems zu verlagern weiß. Genau darin ist die Kunst der Aporetik zu sehen: Ohne feste – oder gar dogmatische – Zielvorstellung eine dem Sujet adäquate Erörterung und Diskussion zu suchen. Aus diesem Grund hier diese kleine Apologie der Aporetik.

 CF, 15.06.07

Ein neuer Essay

Skepsis und Dialektik
 

 

 

Einige Stimmen – unter anderem die eines buddhistischen Häretikers – mahnten mich zur Einfachheit und Verständlichkeit der Rede: »Wenn man Dinge nicht einfach sagen kann, sollte man sie gar nicht sagen.« –

Und: »Einige Leute versuchen sich dadurch intelligent zu fühlen, dass sie Fremdwörter und Abstraktionen benutzen.«

Dazu muss bemerkt werden, dass – einerseits – der Wert der Einfachheit in der Verständlichkeit liegt, aber – andererseits – der Wert der Abstraktion in einer präzisen Vereinfachung zusehen ist, damit allerdings allemal wiederum einer Verständlichkeit zuarbeitet.

Dem Ethos einer einfachen, verständlichen Sprache und Kommunikation steht jedoch die Komplexität der Welt gegenüber: Ist eine der Sache gerechte und angemessene Beschreibung in einfachen Worten überhaupt möglich und erstrebenswert? – Hier ist Skepsis angebracht: Skepsis gegenüber einer an Simplifizierung krankenden Einfachheit der Rede. –

Andererseits – um den dialektischen Anspruch dieses Essays einzulösen – ist ebenso Skepsis angebracht an einer verkomplizierenden Ausdrucksweise, welche – besonders in Alltagskommunikationen – eben manchmal nur dazu dient, um den Sprecher den gewissen intellektuellen oder wissenschaftlichen Touch zu verleihen, was eben bei den Hörern nicht immer so gut ankommt oder sie gegebenenfalls auch überfordert. –

Es bleibt das Ethos der Verständlichkeit von Abstraktionen und Fachbegriffen, welches jedoch eventuell nur einem kleinen Kreis von Fachleuten und Experten zugänglich ist, der diese dann auch zu verstehen in der Lage ist.

 

»Wofür Du hier einen Orden bekommst, bekommst Du dort einen in die Schnauze.«

(Prof. Dr. Helmut Richter)

 

Das ist natürlich eine Aporie, ein unlösbares Problem. –

Eine mögliche Lösung dieser Aporie mag in zwei kommunikativen Verhaltensweisen liegen: Das – zur kommunikativen Kompetenz gehörige – Codeswitching einerseits, ein »recipient design« andererseits. Will heißen: Den je eigenen Sprachstil (Code) je nach sozialer Rolle und damit Zugehörigkeit zu wechseln, und, seine Rede auf den Hörer zuzuschneiden (recipient design).                                                                                    CF, Blunk, 24./29. März 2013